Argumente der Befürworter

Die Befürworter des G6 führen auf ihrem Webauftritt und in einem Flugblatt viele Gründe auf, die anscheinend für das G6 sprechen, die aber bei näherer Betrachtung nicht zutreffend sind.

Auch findet sich der Begriff “Technologiepark” nur bei den Befürwortern, aber nirgends in den Planungen der Stadt, weil nicht abzusehen ist, welche Firmen sich schließlich in einem Gebiet ansiedeln werden.

Der auf dem Flugblatt der Befürworter abgebildete Stimmzettel entspricht nicht dem wirklichen Stimmzettel für den Bürgerentscheid, es wurde der zusätzliche Halbsatz “entlang der Autobahn A3″ eingefügt.

Zukunft für Anwohner

  • Lärmschutz zur Autobahn
    Diese prognostizierte Lärmreduzierung von 1,5 dB(A) ist so gering, dass sie mit dem menschlichen Ohr nicht wahrnehmbar ist. Je nach Wetter und Windrichtung könnten die Gebäude den Lärm kanalisieren und sogar zu einer Verschlimmerung gegenüber der heutigen Situation führen. Eine vergleichbare Bauweise im Gewerbegebiet Wetterkreuz im Süden Tennenlohes zeigt zudem deutlich ihre Wirkungslosigkeit als prognostizierte Lärmschutzmaßnahme. Von einer generellen Lärmminderung – die Befürworter des G 6 argumentieren unablässig und irreführend damit – für den Ortsteil Tennenlohe insgesamt durch die
    Gebäude des G 6 kann überhaupt nicht die Rede sein.
  • Erschließung neuer Gemeinschaftsflächen für Kultur,
    Sport und Soziales

    Die Befürworter wollen den Anschein erwecken, dass sie mit der Realisierung des G6 den Bau einer Sportstätte (=Halle) erreichen könnten. Das sei „planungsrechtlich möglich und zulässig“. Dieser Bau müsste aber außerhalb des verplanten Gebietes errichtet werden, d.h. es müssten weitere Enteignungen durchgeführt werden, was die Befürworter tunlichst vermeiden wollen, und wofür nirgends Mittel vorgesehen aind. Der Antrag für Gemeinschaftsflächen hat also keinerlei Realisierungschance, weil sich Gemeinschaftsflächen und G6 gegenseitig ausschließen.
  • Arbeitsplätze in Fahrradnähe
    Diese Aussage ist absurd, denn freier Wohnraum ist in Tennenlohe (4.500 Einwohner) Mangelware. Bei 5.900 Arbeitsplätzen ist es also ein seltener Glücksfall, wenn jemand zu einem Arbeitsplatz in Tennenlohe auch dort Wohnraum findet, und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann. Alle anderen pendeln mit dem Auto oder Bus ein.
  • Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in den Bereichen Individualverkehr und öffentlicher Personennahverkehr
    Es gibt keine konkreten Planungen für ein tragfähiges Verkehrskonzept oder gar Mittelbereitstellungen für die Behebung der Verkehrsprobleme an den schon jetzt überlasteten Knotenpunkten, vor allem am Wetterkreuz. Wenn eine “leistungsfähigere Ampelanlage” dort für einen besseren Verkehrfluss sorgen könnte, hätte man dies doch schon längst gemacht. Und wer die beengten Verhältnisse dort selbst einmal gesehen hat, weiß, dass ein Kreisel an dieser Kreuzung einfach nicht hin passt.
  • Verbesserung der Immobilienwerte
    Möglicherweise könnte die noch weitere Steigerung der Nachfrage zu einer Erhöhung der Bodenwerte führen, aber andererseits macht im Nordteil von Tennenlohe die reine Wohnbebauung einen Teil der Attraktivität aus. Die “Einmauerung” nach Westen durch Gewerbe und die zunehmende Verkehrsbelastung wird daher zu einer Abwertung und Wertminderung führen, weil der attraktive Naherholungsraum vernichtet wird.

Zukunft für Erlangen

  • Schaffung moderner Arbeitsplätze für heute und folgende Generationen
    Ob ein Arbeitsplatz “modern” ist, liegt nicht an der Lage, sondern am investierenden Unternehmen. Daher ist hier das Attribut “modern” nur ein schönes Wort. Bei gutem Willen und Kreativität auf Planerseite sind neue Arbeitsplätze auch und gerade in Gebäudeleerständen und Baulücken auf bestehenden Gewerbeflächen möglich. Dazu muss nicht blühendes Ackerland für immer vernichtet werden.
  • Sicherung und Ausbau des Wirtschaftsstandortes Erlangen
    Das Gewerbegebiet G6 ist begrenzt. Im Gegensatz zu anderen Standorten bietet es keine Möglichkeit der späteren Erweiterung.
  • Arbeitsplätze am Wohnort
    Erlangen hat 105.000 Einwohner und ca. 96.000 Arbeitsplätze. Das bewirkt eine sehr große Zahl von Einpendlern – aktuell: 70.000 täglich. Es kommt also eher darauf an, für die hier arbeitenden Menschen Wohnraum zu schaffen, als die Zahl der Einpendler zu erhöhen.
  • Wirtschaftswachstum als Basis für den Erhalt des Großstadtstatus
    Was soll man dazu sagen? Es ist reine Panikmache, denn wenn der Großstadtstatus erhalten bleiben soll, muss Erlangen als Wohnort attraktiv bleiben.
  • Stärkung des städtischen Haushaltes
    Der Bürgerentscheid kostet erst mal ca. 50.000 Euro. Der Grunderwerb für das G6 kostet die Stadt Erlangen mehrere Millionen Euro, dazu kommen die Kosten für die Infrastruktur in zweistelliger Millionenhöhe. Bei Einpendlern erhält die Stadt keine Lohnsteuer. Die dort geplanten „kleinteiligen Ausgründungen“ zahlen erfahrungsgemäß jahrelang keine Gewerbesteuer.

Zukunft für Unternehmen

  • Neue attraktive Gewerbeflächen für Hightech-Unternehmen
    Für seriöse Unternehmer sind Ansiedlungen in erschlossenen Gebieten wesentlich preisgünstiger als auf Neuland mit den dort fälligen Erschließungskosten.
  • Flächen mit bester Erreichbarkeit im Herzen den Metropolregion
    Die Erreichbarkeit scheitert am fehlenden bzw. nicht realisierbaren Verkehrskonzept. Es gibt andere Flächen in der vielgepriesenen Metropolregion, die einfacher und umweltfreundlicher erreichbar sind.
  • Synergieeffekte für ansässige Unternehmen
    Für Unternehmen, die bereits in Tennenlohe ansässig sind, gibt es für Erweiterungen bessere Alternativen in Form von Baulücken und Leerständen in bestehenden Gewerbegebieten – auch am Wetterkreuz in Tennenlohe. Es ist wahrscheinlicher, dass in einem neuen Gebiet neue Unternehmen ansiedeln.
  • Höhere Wertschöpfung durch kürzere Wege
    Das sind rein theoretische Betrachtungen; hier hat der Autor vergessen – sicher versehentlich – anzugeben, aus welchem Lehrbuch er gerade zitiert.
  • Nähe zu qualifizierten Mitarbeitern der Hochschulen und Instituten
    Es gibt im bestehenden Tennenloher Gewerbegebiet am Wetterkreuz zwar einige Hochschul-Abteilungen und das große Fraunhofer-Institut. Die meisten Hochschul-Standorte befinden sich sowieso in anderen Stadtteilen.

Im Flyer der Befürworter ist noch bemerkenswert,

  • dass der an zwei Stellen aufgeführte Stimmzettel inhaltlich falsch ist (Kategorie Wählertäuschung),
  • dass am 23.Oktober nicht über den vom Oberbürgermeister geprägten Fantasiebegriff „Technologiepark Erlangen-Süd“ abgestimmt wird, sondern über das geplante Gewerbegebiet G 6, dessen Bebauung und Belegung völlig ungewiss sind,
  • dass sich die wahren Verantwortlichen, die Initiatoren des Ratsbegehrens und damit die Verursacher einer Geldverschwendung von mindestens 50.000 Euro für den Bürgerentscheid, nämlich der Oberbürgermeister, die CSU- und die FDP-Fraktion, nicht offen zu erkennen geben. Fehlen ihnen der nötige Mut und Charakter? Ist es reines Kalkül, um die Wähler nicht abzuschrecken? Warum verstecken sie sich hinter einer E-Mail-Adresse?

Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Wähler von den sprechblasenähnlichen Aussagen im gesamten Flyer nicht verführen lassen und konsequenterweise die weiteren Planungen zum Gewerbegebiet G 6 am 23.Oktober 2011 ablehnen werden.

5 thoughts on “Argumente der Befürworter

  1. Hallo!
    Das ist wieder ein typisches Manöver von Balleis! Ich hoffe, dass dieser Mensch und die dazugehörige Partei in Zukunft nicht mehr Mehrheiten in Erlangen besitzt! Die Argumentationen sind fadenscheinig, die Nachweise dafür nachlässig oder gar nicht vorhanden und rein profitbezogen. Ständig wird mit “Totschlag”-Argumenten wie “zukunftsorientiert”, “unabdingbar” oder “dies ist für das Wachstum Erlangens” notwendig untermauert. Leider fehlen hier die notwendigen Nachweise, das ist nur dummes Geschwätz!

    • Schöne Plakate haben sie hier mit den witzigen Schlagzeilen:
      Weniger Natur, mehr Natur, …
      Das ganze ist doch lächerlich. Es gibt soviel Natur, da machen ein paar km^2 auch nichts mehr aus, vor allem wenn es bald keine Menschen mehr hier gibt die diese Natur genießen können. Das Wohl der Menschen hängt nicht davon ab ob ein Baum mehr oder weniger in der Umgebung steht oder ob ein seltener Käfer in der Nachbarschaft lebt, sondern rein vom persönlichen wirtschaftlichen und finanziellen Wohlergehen. Ist doch lächerlich dass Ihnen die Natur wichtiger ist ale die Menschen. Schöne Religion haben Sie da!! Nur leider zu leicht zu widerlegen.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Franz Wack

      • Wenn Ihnen Menschen so wichtig sind, sollten sie vielleicht beachten, dass ein Großteil der MENSCHEN in Tennenlohe dagegen ist.
        Außerdem wird es ohne Natur früher oder später auch keine Menschen mehr geben. Da nützt Ihnen ihr wirtschaftliches Wohlergehen auch nichts mehr.
        Mit freundlichen Grüßen,
        K.E.

  2. Ich bin auch dagegen! Würde ich nicht in Tennenlohe wohnen, könnte ich mich den Argumenten der Befürworter durchaus anschließen. Aber als Tennenloher genieße ich meine Spaziergänge in der unberührten Natur. Das soll bitte so bleiben.

  3. Hallo Herr W.,

    auch OHNE G6 kann ein wirtschaftliches und finanzielles Wohlergehen erreicht werden (bzw. uns geht es ja hier nicht so schlecht, dass wir gleich untergehen).
    Ein NEIN bedeutet ja nicht, dass keine Zukunft für zusätzliches Wirtschaftswachstum möglich ist. Auch wir Gegner sind sicherlich nicht gegen den Fortschritt und die Zukunft, aber sie muss einen vernünftigen Rahmen haben. Ein Argument, das komischerweise von den Befürwortern regelmäßig ignoriert wird, ist der Fakt, dass wir ja wirklich gute und sinnvollere Alternativen für das G6 haben. Im bestehenden Tennenloher Gewerbegebiet ist noch eine Menge Platz, was bringt da ein neues Gebiet, wenn hinterher beide Gebiete halb leer sind? Dann hat die Stadt schön unser Geld ausgegeben und nichts erreicht. Wenn man sieht, dass Flächen teilweise seit fast 2 Jahren leer stehen und demnächst weitere Flächen frei werden, fragt man sich wirklich, wo da der angebliche Bedarf ist.
    Hier einmal eine (vermutlich nicht vollständige) Liste verfügbarer Gewerbeflächen:
    - Gegenüber der DKV Tankstelle sind Flächen mit 530qm auf 2 Etagen frei (seit mindestens 1,5 Jahren)
    - An der Ecke Wetterkreuz/Weichselgartn: 1.400 qm (auch seit mind. 1,5 Jahren)
    - Die Fa. Schäfer Shop verlässt das Gebiet: weitere 1.400 qm werden frei
    - Am Weichselgarten steht ein freistehendes Bürogebäude mit Produktionsfläche (1277qm, Grundstück 1649qm) zum Verkauf.
    - In einem Büroneubau im Südwesten mit 8.000 qm sind Flächen verfügbar (http://www.immobilienscout24.de/expose/56785259)
    - Multifunktionale Gewerberäume Variable Flächen von 470 m² – 3550 m² (http://www.immobilienscout24.de/expose/62430552)
    - Interessante Büro-, Präsentations- Werkstatträume in Tennenlohe mit 1415qm (http://www.immobilienscout24.de/expose/60469924)
    - Multifunktionale Büro-, Ausstellungs- und Lagerflächen Erlangen, ca. 600 m², teilbar ab ca. 180 m² (http://www.immobilienscout24.de/expose/59726929)
    - Moderne Büroflächen in Erlangen, Tennenlohe, 130qm (http://www.immobilienscout24.de/expose/32557416)
    - Büroeinheit in einer außergewöhnlichen Gewerbeimmobilie 158qm (http://www.immobilienscout24.de/expose/54666721)
    - Attraktive Büroflächen mit Teeküche 223qm (http://www.immobilienscout24.de/expose/60631400)
    - High Tech Halle im Technologie Park Tennenlohe 1100qm (http://www.immobilienscout24.de/expose/61938386)
    - Exklusives Gewerbeobjekt mit Erweiterungsmöglichkeiten auf großem Grundstück in ER-Tennenlohe 1415qm auf 4439qm Grundstück (http://www.immobilienscout24.de/expose/60426187)
    - Des weiteren viele zahlreiche Grundstücke und Balücken im Gebiet ums Wetterkreuz bis hin zur A3 und B4 die genutzt werden könnten.
    Das sind alleine die Freiflächen nur in Tennenlohe. Aber Erlangen hat noch mehr in der Nähe zu bieten, z.B.:
    - Bruck: Gewerbegrundstück mit 930qm
    - Bruck: Bürofläche in Erlangen Bruck direkt an der A 73 mit 623qm
    - Bruck: Lager-/Archivfläche mit 230qm
    - Eltersdorf: Lager und Büro mit 446qm
    - Frauenaurach: Hohe Lagerhalle, verkehrsgünstig nahe der Autobahnen A3 und A73 gelegen, 570qm
    - Frauenaurach: Gewerbegrundstück mit ca. 65.735 m²
    - Frauenaurach: Geräumige Büros in ruhiger Lage provisionsfrei 265qm
    - Grundstück: Provisionsfrei, 7.000 m² Freifl. (teilbar), Erlangen – südlich der Werner-von-Siemens-Str.
    Und auch Richtung Süden nach N/FÜ gibt es nur einen Katzensprung von Tennenlohe freie Flächen, z.B.:
    - Schmalau: Rampenlager 750 qm
    - Schmalau: Rampenlager 1.500 qm mit Büros und Konfektionierraum
    - Fürth-Sack: Lager mit Büro 5500qm
    - Gewerbegrundstück mit ca. 7.000 qm in guter Lage in FÜ-Sack
    - Nordostpark Nürnberg: ca. 1200qm Flächen verfügbar
    Diese Liste liese sich noch um einiges erweitern. Wer da noch behauptet, wir brauchen dringend neue Flächen (wo ist denn da bitte der Bedarf?) und sollen dafür auch noch Geld für die Infrastruktur ausgeben, dass wir anders besser einsetzen könnten, der verschliesst sich absolut jeder Vernunft.
    Wie gesagt: Zukunft JA, aber bitte richtig: daher NEIN zu G6 und FÜR eine vernünftige und kluge Planung.

    Mit freundlichen Grüßen
    M.P.

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